Navigation überspringen


Navigation

Hauptnavigation

Standortnavigation

Sie sind hier: much-heute.de > Berichte > Bürgereinsatz für das Freibad

Service-Navigation

normale Schrift . Schrift größer . große Schrift . Druckversion . Inhalt . Start . 

Ohne Ehrenamt kein Bürgerbad - das Freibad als Bürgerstiftung

Moderator Ulli Potofski vor einer Projektion mit dem Motto des Abends
Ulli Potofski bei der Begrüßung der Gäste
Die Zuhörer in der Aula des Schulzentrums
Das Auditorium der Info-Veranstaltung

"Das Feibad macht zu. - Was nun ?", unter diesem Motto lud die Gemeinde Much gestern zu einer Informations-Veranstaltung ins Schulzentrum ein. Wie sich im Verlauf des mit an die 100 Personen gut besuchten Abends jedoch herausstellte, war das Motto eher im Vorgriff auf das, was kommen könnte, gewählt, als dass es nackten Tatsachen entsprach.

Beigeordneter Norbert Büscher eröffnete nach Begrüßung durch den TV-bekannten Moderator Ulli Potofski den Abend denn auch mit einem Blick auf die Zukunft des tatsächlich noch nicht geschlossenen Waldfreibades in Much. Die Zahlen indes sprachen für sich, denn Einnahmen in Höhe von 33.800 Euro stehen einem jährlichen Verlust von 83.000 Euro entgegen, was eine Kostendeckung von 22 Prozent pro Jahr bedeutet. Auch die Besucherzahlen entsprechen mit 20.100 Personen über drei Jahre nicht dem, was sich eine Gemeinde mit einem schwachen Haushalt leisten könne.

Historisches Foto des Mucher Freibads
Die "Badeanstalt" in ihren frühen Jahren

Gleichzeitig erzählte Büscher aus der Geschichte des im Jahr 1932 eröffneten Freibades, das in den Jahren 1938/39 und 1951/52 jeweils eine Erweiterung erfahren hatte. Im nächsten Jahr nun, in dem die Gemeinde dem Kreis ihre freiwilligen Ausgaben, zu denen auch das Freibad gehört, erklären müsse, würde das Bad seinen 75. Geburtstag feiern. Um es trotz sinkender Einnahmen und schlechter Haushaltlage auch noch weit über dieses Jubiläumsjahr hinaus erhalten zu können, wünscht sich die Gemeinde eine Beteiligung und Unterstützung durch ihre Bürger. Bereits seit über einem Jahr existiert hierzu ein Arbeitskreis Bürgerbad, der sich mit verschiedenen Lösungsansätzen befasst.

Die genannten Personen während der Info-Veranstaltung
Ulli Potofski interviewt Dr. Hartwig Carls-Kamp vom Elsebad in Schwerte

Um eine davon aufzuzeigen, hatten die Organisatoren des Abends Dr. Hartwig Carls-Kamps eingeladen. Der Geschäftsführer der Elsebad Betriebs GmbH erzählte zusammen mit Thomas Wind, dem Vorsitzenden des Fördervereins Bürgerbad Elsetal e.V., wie es in ihrer Kommune zur Einrichtung des Vereins gekommen ist. Entgegen der Situation in Much war die Stadt Schwerte nicht an der Erhaltung des maroden Freibades interessiert und schloss es im Jahr 1993. Das führte zu erheblichen Bürgerprotesten und zu einer Bürgerinitiative, aus der im Jahr 1995 der Förderverein hervor ging, der wiederum eine GmbH für den Betrieb des Bades gründete. Etwa 700 Vereinsmitglieder, davon 130 aktive in verschiedenen Arbeitsgruppen, sorgen seither jährlich für die Erhaltung des im Jahr 1999 wiedereröffneten Freibades.

Neben Beiträgen und Spenden in Höhe von jährlich 20.000 Euro und zwei hauptberuflichen, bei der Gesellschaft angestellten Mitarbeitern halten die aktiven Mitglieder das Schwimmbad mit ihrem ehrenamtlichem Einsatz am Leben. So sorgt die Kassengruppe für die Besetzung des Kassenhäuschens, die Müllgruppe hält das Bad sauber, die Grüngruppe pflegt die Grünanlagen, der Festausschuss kümmert sich um attraktive Veranstaltungen, eine jährliche Beach-Party und ein Open Air-Kino. Neben diesen Angeboten sorgen auch die außergewöhnlichen Öffnungszeiten von täglich 6.30 bis 20.30 Uhr für hohe Besucherzahlen. Von vormals etwa 20.000 jährlichen Besuchern hat sich die Zahl auf 100.000 erhöht. Örtliche Sportvereine beteiligen sich ebenso wie andere Institutionen, so dass sich ein aktives Netzwerk gebildet hat, bei dem jeder, der mithilft auch stimmberechtigt ist. Dieses Bürgerengagement beeindruckte auch die Anwesenden, die ihr Interesse mit einigen Detailfragen bekundeten.

Zwei Vertreterinnen des Kinder- und Jugendparlaments im Gespäch mit Ulli Potofski
Ricarda Schlimbach und Bisam Zamzam vom Kinder- und Jugendparlament sprachen sich für ehrenamtliches Engagement bei den Jugendlichen aus

Ein nachfolgendes moderiertes Gespräch mit Ricarda Schlimbach und Bisam Zamzam vom Kinder- und Jugendparlament, mit dem Beigeordneten, mit Schwimmmeister Wilfried Potz, Hartmut Erwin vom Arbeitskreis Bürgerstiftung und Arnd Pricibilla vom Städte-Netzwerk NRW zeigte noch einmal auf, wie wichtig der Erhalt des Schwimmbades ist. "Das Schwimmbad ist unser einziger Treffpunkt im Sommer", war das Argument der Jugendlichen, die sogleich ihre Bereitschaft anboten, an der Forterhaltung mitzuarbeiten. "Much ist eine Keimzelle für das Ehrenamt", meinte Erwin, ein Verfechter eines Naturbades ohne Chloreinsatz. "Es geht nicht darum, dem Bürger alles aufs Auge zu drücken, aber wir brauchen Unterstützung", erklärte Büscher den Standpunkt der Gemeinde und sprach von einem Zuschuss sowie die Weiterbeschäftigung des Schwimmmeisters und seiner Mitarbeiter auf Gemeindekosten.

Arnd Pricibilla vom Städte-Netzwerk NRW, einem Zusammenschluss von 118 Gemeinden, zeigte indes an Beispielen aus anderen Kommunen auf, wie ein Bürgerbad oder eine Bürgerstiftung funktionieren können. "Jeder kann Stifter werden", erklärte Pricibilla. In anderen Kommunen seien es oft über 200 Gründungsstifter. Um eine Bürgerstiftung zu gründen, bedarf es eines Stiftungsbetrages in Höhe von 50.000 Euro. Die gemeinnützige Stiftung und der von ihr gewählte Stiftungsrat als Vorstand könne den Badbetrieb konzipieren und Orga-Strukturen aufbauen. Die Bauplanung etwa für die Vergrößerung des von einer Bürgerin im Verlauf des Abends kritisierte viel zu kleine Baby-Becken sowie Renovierungsarbeiten würden von der Stiftung übernommen. Auch Veranstaltungen und Aktivitäten könnten von ihr organisiert werden. Der Badbetrieb könnte mit Kassendienst und der Einrichtung von Schwimmkursen unterstützt werden und im Idealfall würde die Bürgerstiftung wie in Schwerte eine GmbH für den Betrieb des Freibades gründen.

Wichtig bei allen Lösungsansätzen ist jedoch das Engagement des Einzelnen. "Das Wald-Freibad soll als Einrichtung von Bürgern für Bürger zu einem Ort des bürgerschaftlichen und gesellschaftlichen Engagements werden", lautet auch eine Aussage in dem von der Gemeinde herausgegebenen Flyer. Weitere Informationen zum Thema erhält man bei Hans-Joachim Hachenberger vom Arbeitskreis Bürgerbad, Telefon 02245 / 1531, oder bei Kerstin Zeilinger, Gemeinde Much, Telefon 02245 / 6828, e-Mail : kerstin.zeilinger(at)much.de. (is)

28. November 2006